Wie funktioniert das Laden mit Solarstrom an der Wallbox?

Weißes Elektroauto an Heimladestation auf sonniger Einfahrt, Solarpanele auf dem Dach, grüner Garten im Hintergrund.

Mit einer Photovoltaikanlage auf dem Dach und einem Elektroauto in der Garage liegt die Idee nahe: Warum nicht einfach mit dem selbst erzeugten Solarstrom laden? Das funktioniert tatsächlich, und zwar über eine Wallbox, die direkt mit der PV-Anlage kommuniziert. Wie viel Solarstrom wirklich in die Batterie des Autos fließt, hängt von der Tageszeit, dem Wetter und der Anlagengröße ab. Die folgenden Abschnitte beantworten die wichtigsten Fragen rund um das Laden mit Solarstrom Schritt für Schritt.

Wann fließt tatsächlich Solarstrom in die Wallbox?

Solarstrom fließt in die Wallbox, wenn die PV-Anlage in diesem Moment mehr Strom erzeugt, als der Haushalt gerade verbraucht. Dieser sogenannte Überschuss steht zur freien Verfügung und kann direkt zum Laden des Elektroautos genutzt werden. Das geschieht in der Regel zwischen 10 und 16 Uhr an sonnigen Tagen.

Entscheidend ist das Zusammenspiel zwischen Erzeugung und Verbrauch. Läuft gleichzeitig die Waschmaschine, der Herd und die Wärmepumpe, bleibt weniger Überschuss für die Wallbox übrig. An bewölkten Tagen oder in den Morgen- und Abendstunden reicht die Solarleistung oft nicht aus, um das Fahrzeug rein solar zu laden. Das Laden mit Solarstrom ist also kein Dauerzustand, sondern ein dynamischer Prozess, der sich nach den aktuellen Bedingungen richtet.

Wer das Beste aus seiner Photovoltaik-Wallbox-Kombination herausholen möchte, sollte das Auto tagsüber laden, wenn die Sonne am stärksten scheint, und energieintensive Haushaltsgeräte möglichst außerhalb dieser Zeiten betreiben.

Was ist Überschussladen und wie funktioniert es technisch?

Überschussladen bedeutet, dass die Wallbox automatisch nur dann lädt, wenn die PV-Anlage mehr Strom produziert, als der Haushalt verbraucht. Ein Energiemanager oder ein intelligentes Steuergerät misst laufend den Stromfluss am Hausanschluss und regelt die Ladeleistung der Wallbox entsprechend nach oben oder unten.

Technisch funktioniert das so: Ein Sensor am Netzanschlusspunkt, oft als Smart Meter bezeichnet, erfasst sekundengenau, wie viel Strom gerade ins Netz eingespeist oder aus dem Netz bezogen wird. Diese Information gibt er an den Energiemanager weiter, der die Wallbox steuert. Gibt es einen Überschuss von beispielsweise 2 Kilowatt, wird die Ladeleistung auf genau diese 2 Kilowatt eingestellt.

Wichtig zu wissen: Die meisten Elektroautos und Wallboxen laden mit mindestens 1,4 Kilowatt, was einem Mindeststrom von etwa 6 Ampere entspricht. Liegt der Solarüberschuss darunter, startet der Ladevorgang erst gar nicht, es sei denn, das System greift ergänzend auf Netzstrom zurück. Manche Systeme bieten eine sogenannte Phasenwechsel-Funktion, die zwischen einphasigem und dreiphasigem Laden umschaltet, um den Solarstrom möglichst vollständig zu nutzen.

Welche Komponenten braucht man für das Laden mit Solarstrom?

Für das Laden des Elektroautos mit Solarstrom braucht man mindestens drei Dinge: eine PV-Anlage, eine Wallbox mit regelbarer Ladeleistung und ein Energiemanagementsystem, das beide miteinander verbindet. Ohne diese Kombination lädt die Wallbox einfach mit fester Leistung, unabhängig davon, ob gerade Sonne scheint oder nicht.

Im Einzelnen sind folgende Komponenten relevant:

  • PV-Anlage: Sie erzeugt den Solarstrom. Je größer die Anlage, desto mehr Überschuss steht potenziell für die Wallbox zur Verfügung.
  • Wechselrichter: Er wandelt den Gleichstrom der Solarmodule in nutzbaren Wechselstrom um und liefert oft auch Daten an den Energiemanager.
  • Smart Meter oder Energiezähler: Er misst den aktuellen Stromfluss am Hausanschluss und ist die Grundlage für die Steuerung.
  • Energiemanagementsystem (EMS): Es koordiniert alle Komponenten und regelt die Ladeleistung der Wallbox dynamisch.
  • Wallbox mit dynamischer Ladesteuerung: Nicht jede Wallbox unterstützt eine stufenlose Regelung der Ladeleistung. Für das Überschussladen braucht man ein Modell, das diese Funktion beherrscht.
  • Optional: Batteriespeicher: Er speichert überschüssigen Solarstrom für Zeiten, in denen die Sonne nicht scheint, und erhöht so den Solaranteil beim Laden deutlich.

Eine professionelle Energieberatung hilft dabei, die passenden Komponenten aufeinander abzustimmen, denn nicht alle Systeme verschiedener Hersteller kommunizieren reibungslos miteinander.

Wie viel Solarstrom spart das Laden mit der Wallbox wirklich?

Wie viel Solarstrom tatsächlich ins Elektroauto fließt, hängt stark von der Anlagengröße, dem Fahrverhalten und der Nutzungszeit ab. In der Praxis erreichen Haushalte mit einer mittelgroßen PV-Anlage von 8 bis 12 Kilowatt Peak und einem Elektroauto, das tagsüber geladen wird, einen Solaranteil von 40 bis 70 Prozent am gesamten Ladestrom.

Das klingt zunächst abstrakt. Konkret bedeutet es: Wer sein Auto im Jahr mit rund 3.000 Kilowattstunden lädt und davon die Hälfte aus Solarstrom bezieht, spart je nach aktuellem Strompreis erhebliche Kosten im Vergleich zum reinen Netzstrom. Gleichzeitig speist man weniger Strom zu niedrigen Einspeisevergütungen ins Netz ein und nutzt ihn stattdessen selbst, was wirtschaftlich deutlich attraktiver ist.

Der tatsächliche Solaranteil lässt sich durch drei Faktoren erhöhen: eine größere PV-Anlage, einen Batteriespeicher und das bewusste Verschieben des Ladevorgangs in die Mittagsstunden.

Kann man auch ohne Batteriespeicher mit Solarstrom laden?

Ja, das Laden mit Solarstrom funktioniert auch ohne Batteriespeicher. In diesem Fall lädt die Wallbox ausschließlich dann, wenn die PV-Anlage gerade genug Überschuss produziert. Das setzt voraus, dass das Auto zu den sonnigen Tagesstunden an der Wallbox hängt, also typischerweise zwischen 10 und 16 Uhr.

Ohne Speicher ist man direkt vom aktuellen Sonnenschein abhängig. Zieht eine Wolke auf, sinkt die Ladeleistung sofort. Das ist kein technisches Problem, bedeutet aber, dass der Ladevorgang länger dauert und der Solaranteil insgesamt geringer ausfällt als mit Speicher. Für viele Pendler, die ihr Auto tagsüber zu Hause lassen, ist das dennoch eine sehr sinnvolle Lösung.

Wer das Auto abends oder nachts laden muss, profitiert hingegen deutlich stärker von einem Batteriespeicher, der tagsüber geladenen Solarstrom für den Abend vorhält.

Was tun, wenn der Solarstrom zum Laden nicht ausreicht?

Wenn der Solarstrom nicht ausreicht, greift die Wallbox automatisch auf Netzstrom zurück, sofern das Energiemanagementsystem entsprechend konfiguriert ist. Das passiert nahtlos und ohne Unterbrechung des Ladevorgangs. Alternativ kann man das System so einstellen, dass nur reiner Solarstrom genutzt wird und der Ladevorgang pausiert, wenn der Überschuss zu gering ist.

Es gibt mehrere sinnvolle Strategien für diese Situationen:

  1. Mischbetrieb aktivieren: Das System lädt mit Solarstrom, wo er verfügbar ist, und ergänzt automatisch mit Netzstrom. So ist das Auto immer geladen, wenn man es braucht.
  2. Ladezeiten anpassen: Manche Wallboxen lassen sich so programmieren, dass sie bevorzugt zu Zeiten laden, in denen Solarstrom fließt oder der Netzstrompreis besonders günstig ist.
  3. Dynamischen Stromtarif nutzen: Wer einen dynamischen Stromtarif hat, zahlt zu Zeiten hoher erneuerbarer Einspeisung oft deutlich weniger für Netzstrom. Das macht den Zukauf von Strom an sonnenarmen Tagen günstiger.
  4. Batteriespeicher nachrüsten: Ein Speicher puffert tagsüber erzeugten Solarstrom und gibt ihn abends oder nachts an die Wallbox ab.

Das Laden mit Solarstrom muss kein Alles-oder-nichts-Prinzip sein. Ein gut konfiguriertes System findet immer den wirtschaftlich sinnvollsten Weg.

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